Dynamische Wirtschaftsmärkte, Innovationsdruck, neue Hoffnungsmärkte, sinkende Margen, Perspektiven für Mitarbeiter – Gründe für das Wachstum von Unternehmen sind vielfältig. Doch was ist das Geheimnis, langfristig Erfolg zu haben? Dies beantwortet Herr Werner Hüttl in unserem Interview.


Wir treffen Herrn Steuerberater Werner Hüttl abends um 20:00 Uhr zum Interview in seinem Büro.
Verschmitzt bietet er uns eine Tasse Kaffee an, um uns zu erklären, dass man als Steuerberater in einem wachsenden Unternehmen auch mal etwas länger arbeiten müsse. Wir lehnen dankend ab, während er an uns vorbei den Raum in Richtung Kaffeemaschine verlässt. Dem Gemurmel unter dem Türstock entnehmen wir, dass er noch viel vorhabe. Kurz darauf nimmt er schelmisch grinsend bei uns Platz.

Redaktion

Herr Hüttl, mit über 40 Jahren Berufserfahrung als Steuerberater und Betriebsprüfer haben Sie viele Unternehmen kennenlernen dürfen. Bedeutet Stillstand in Unternehmen tatsächlich Rückschritt?

Werner Hüttl

Nein, nicht zwangsläufig. Unternehmen sehen sich täglich veränderten Rahmenbedingungen gegenüber. Nur wem es gelingt, sich diesen Herausforderungen immer wieder neu, aktiv zu stellen und dabei gleichzeitig seine eigenen Ziele im Blick behält, wird sein Unternehmen auf Kurs halten und nachhaltig zum Erfolg führen. Dabei sind Phasen der Konsolidierung oder der Neuausrichtung ebenso von Bedeutung, wie Wachstumsschritte. Alles muss mit Maß und strategischer Planung einhergehen.

Redaktion

Aber wenn sich neue Märkte auftun, neue Umsatzpotentiale erschließen lassen, sollte man diese doch mitnehmen?

Werner Hüttl

Dies gilt es zu prüfen. Umsatz ist nicht gleich Gewinn und Wachstum bedeutet zunächst auch immer neue Kosten, neue Organisationsstrukturen und die Verlagerung von Aufgaben. Es werden Ressourcen gebunden, die dem bisherigen operativen Geschäft entzogen werden.

Redaktion

Das klingt theoretisch. Können Sie hierfür ein Beispiel machen?

Werner Hüttl

Nehmen Sie einen kleinen Handwerksbetrieb. Ein Meister, eine Bürokraft, zwei Mitarbeiter. Ein solches Unternehmen ist überschaubar. Es besteht aus einem kleinen, eingespielten Team mit kurzen Wegen. Motivation und persönliche Beziehungen haben einen sehr hohen Stellenwert. Das unkomplizierte Arbeiten ermöglicht eine hohe Leistungsbereitschaft.

Wenn jetzt die Möglichkeit besteht Umsatzwachstum zu realisieren, bedarf es zeitnah neuer Mitarbeiter. Diese müssen eingelernt werden und binden damit Effektivität. Auch die Aufgaben der Unternehmensführung verändern sich, der Chef hat nunmehr zwei Teams zu koordinieren, steht als Ansprechpartner vor Ort nicht mehr im gleichen Maße zur Verfügung, seine Kundennähe schwindet und der zeitliche Aufwand für Qualitätskontrolle steigt. Klar ist, das Unternehmen macht mehr Umsatz und hat mehr Mitarbeiter, ob es allerdings auch mehr Gewinn macht, wird sich zeigen.

Redaktion

Das heißt, Wachstum ist somit nur eine Frage von Personal
und Organisation?

Werner Hüttl

Nein, Wachstumsschritte erfordern nur ganzheitliche betriebl. aber auch private Planung. Dabei sollte der Unternehmer sein gesamtes Umfeld mitnehmen, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Banken aber insbesondere auch den oder die Lebenspartner(in) und Kinder.

Redaktion

Planung und gute Vorbereitung, das ist also der ganze Trick?

Werner Hüttl

Zu 50%, ja! Und das gilt nicht nur für unseren kleinen Handwerks-betrieb. Auch große Unternehmen sollten eine Expansionsplanung machen. Auch hier werden zahlreiche Fragen geklärt, bevor man sich auf einen Wachstumspfad begibt. Dabei unterscheidet sich bereits die Art der Wachstumsstrategie je nach Aufgabenstellung. Wählt man eine Offensivstrategie und kauft weitere Unternehmen hinzu, setzt man auf die eigene Innovationskraft und entwickelt neue Produkte oder Verfahren, erschließt man Hoffnungsmärkte oder verlagert und (re-)strukturiert Produktionsstandorte. All dies basiert auf strategischer Planung.

Redaktion

Und die anderen 50%?

Werner Hüttl

Die anderen 50% sind die Umsetzung. Persönlich nenne ich es, das „SAU“-Prinzip. Während einige nicht richtig oder gar nicht planen, planen andere ewig und scheitern letztlich am Umsetzen. Pläne werden dazu gemacht, um Ziele zu definieren, die Umsetzung lässt Ziele allerdings erst erreichbar werden. Die Kombination aus Planung und Umsetzung ist der Erfolgsschlüssel für Unternehmenswachstum.

Redaktion

Herr Hüttl, wenden Sie Ihre Empfehlungen auch auf den eigenen Unternehmensaufbau an?

Werner Hüttl

Selbstverständlich. Hinsichtlich der Steuerkanzlei habe ich mich in der Vergangenheit für eine klare Offensivstrategie entschieden. Durch den Zukauf von Kanzleien in Ansbach, Trautskirchen und Weißenburg haben wir uns neue Märkte erschlossen und konnten weitere Steuerberater beschäftigen. Dieser Schritt war für die Kanzlei der richtige, da die umfangreichen regulatorischen Eingriffe eine Erweiterung der Wissensbasis notwendig machten.

Redaktion

Vielen Dank für das Gespräch.