Der Weg zurück in die Legalität muss den steuerrechtlichen Anforderungen genügen. Wichtiges Detail dabei ist, dass die strafbefreiende Selbstanzeige in steuerlicher Hinsicht vollständig sein muss. Eine individuelle und sorgfältige Prüfung des jeweiligen Einzelfalls ist zwingend erforderlich.


Das Landgericht München II hat Uli Hoeneß zu 3 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt.

Die Regeln einer strafbefreienden Selbstanzeige sind im Vorfeld mit Gesetzesänderungen vom 28.04.2012 weiter verschärft worden. Maßgeblich dabei ist, dass alle Einkünfte (auch die, welche bereits erklärt wurden) dahingehend überprüft werden, ob sie vollständig und richtig sind. Wirksamkeit und damit strafbefreiende Wirkung entfaltet nur die Selbstanzeige, die das Gebot der Vollständigkeit erfüllt und damit alle steuerlich relevanten und bisher unbekannt gebliebenen Sachverhalte aufdeckt. Eine Teilselbstanzeige nur einer Einkunftsart ist nicht mehr zulässig.

Denkbar ist allerdings eine gestufte Selbstanzeige, in der ein Steuerpflichtiger zwar schnell eine Selbstanzeige abgeben will oder muss, die genauen Zahlen hierfür allerdings (noch) nicht kennt. In diesem Zusammenhang wird „in mehreren Stufen“ vorgegangen. Während zunächst auf Basis einer Schätzung der Besteuerungsgrundlagen eine Selbstanzeige abgegeben wird, werden die korrekten Zahlen zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt. Wichtig ist hier allerdings, dass die Schätzung sehr sorgfältig erfolgen muss.

Sollten die ersten Angaben zum Zeitpunkt der Selbstanzeige zu niedrig sein, läuft der Steuerpflichtige Gefahr sich der strafbefreienden Wirkung der Selbstanzeige zu berauben. Daher empfiehlt sich von einer großzügigeren Datenmenge und damit auch höheren Schätzwerten auszugehen. Die Folge ist, dass eine zu hohe Schätzung jederzeit in einem Einspruchsverfahren nach unten korrigiert werden kann. Bei einer zu niedrigen Schätzung besteht die Möglichkeit der Unwirksamkeit der Selbstanzeige.Vorsorglich sollte bereits zu Beginn, also zum Zeitpunkt der Ent-scheidung – „Ja, ich möchte mich selbst anzeigen“ – ein steuerlicher Berater konsultiert werden. Denn Fehler beginnen nicht erst bei der Ermittlung des Steuerschätzungsbetrags, sondern bereits bei der Beschaffung von steuerrelevanten Unterlagen bei einer ausländischen Bank. Steuerberater haben in aller Regel die Möglichkeit, diskret einen Kontakt zur ausländischen Bank aufzubauen, die steuerlich relevanten Unterlagen zu prüfen, mit den Banken abzustimmen und einen gesicherten Empfang der Unterlagen herzustellen.

Doch auch nach Abgabe einer Selbstanzeige droht weiteres Ungemach. Die Finanzbehörden ermitteln die nicht festsetzungsverjährten Steuern einschließlich Hinterziehungszinsen und stellen diese in neuen Steuerbescheiden fest. Straffreiheit erlangt nur derjenige, der die Steuern bei Fälligkeit pünktlich entrichten kann. Insoweit ist darauf zu achten, dass ausreichend Geld in Form von liquiden Mitteln vorgehalten werden muss, bzw. hier frühzeitig Maßnahmen eingeleitet werden etwaiges Vermögen zu liquidieren.

Im Ergebnis sind die Regeln für eine Selbstanzeige vom Gesetzesgeber streng, aber klar gefasst. Der Teufel steckt dabei, wie so oft, im individuellen Einzelfall und dem dann umfangreichen notwendigen Detailwissen. Gute Beratung zahlt sich hier aus, denn die betroffenen Steuerpflichtigen haben nur einen Versuch.